Gurkengärtner

Ende Juni (KW 26) gibt es die ersten Gurken und hier will ich sie kurz vorstellen. Sie stammen aus fernen Landen, wo es nie zu heiß und nie zu kalt ist, nicht zu windig und keine direkte Sonne. Also so leicht bedeckt, 23 bis 25°C, etwas feucht, sodass die Füße auch nie trocken fallen. So lieben es diese Pflanzen. Weil wir etwas Abwechslung zu Rote Bete und Steckrüben haben wollen, versuchen wir nun diese Pflanze bei uns großzuziehen, obwohl es doch im Juni – wie wir gerade sehen – mal 18 und mal 33°C sein kann. Wir bauen uns ein Gewächshaus. In das Gewächshaus noch einen beheizten Anzuchtraum, damit die Kindheit schon schön warm verläuft und wir auch ja schon im Juni die ersten Früchte ernten können. Dann pflanzen wir sie Anfang Mai. Machen jeden Tag die Türen des Gewächshauses auf und abends wieder zu. Geben ihnen gerade genau richtig viel Wasser an den Tagen mit dem richtigen Wetter, sodass sie feucht aber nicht nass stehen. Bedecken den Boden mit Grasmulch, damit ihre Füße auch nie austrocknen. Wickeln sie zwei Mal pro Woche an einer Schnur entlang, damit mehr Gurkenpflanzen ins Gewächshaus passen und die Früchte nicht krumm und gelb werden, wenn sie auf dem Boden liegen.

Auf der Suche nach Halt streckt die Gurke ihre Tentakeln aus

Und dann kommt die gemeine Wiesenwanze und legt in die Triebspitze ihre Eier und der Trieb der Gurke stirbt ab. Die Wiesenwanze ist tatsächlich gemein, heißt aber eigentlich Gemeine Wiesenwanze im Sinne von „gewöhnlich“. Als ich anfing zu gärtnern – und das ist wirklich noch nicht lange her – gab es diesen „Schädling“ in Schwerin – wo ich anfing – noch nicht. Inzwischen hat er ganz Deutschland erobert und erschwert das Leben der Gurkengärtner noch ein bisschen mehr.

Der ewige Kampf ums Überleben. Hier die mikroskopisch kleinen Stacheln am Gurkenstiel. Gegen die fliegende Wanze können sie aber nichts ausrichten. Als Schnecke würde ich es mir aber überlegen, hier hochzuschleimen.

Hybrid vs. Samenfest

Der Gurkenpflanze ist auf solche Schädlinge vorbereitet. Zwar kann sie sich mit ihren Stacheln nicht gegen die Wanzen wehren, aber sie macht einfach überall neue Triebe. Nicht das Individuum muss überleben, sondern das System. Stirbt ein Trieb, übernimmt eben ein anderer die Führung. In jeder Blattachse macht die Gurkenpflanze eine Gurke mit weiblicher Blüte, ein bis zwei männliche Blüten und einen Seitentrieb, der schnell zum Haupttrieb werden kann. Das kann auch stark variieren, mal sind es auch drei männliche Blüten, keine weibliche und zwei Triebe. Auf dem Bild unten sieht man zwei Minigurken mit noch geschlossener Blüte (grün) zwei männliche Blüten (gelb), aber keinen deutlich zu erkennenden Trieb. Die Insekten müssen nun von männlicher zu weiblicher Blüte fliegen, damit die Gurke Samen ausbildet. Genau diese Samen wollen einige unter uns Menschen nicht. Und auch die Stacheln auf der Frucht sind nervig. Und die männlichen Blüten und die Seitentriebe sind auch überflüssig. Wir wollen einfach nur glatte Gurken, ohne Stacheln, ohne Kerne. Und in jeder Blattachse am besten eine oder zwei. Die Züchtung verfolgt diese Ziele sehr hartnäckig, sodass man Hybrid-Gurken kaufen kann (1 Same kostet 1€), die keine Stacheln machen, die keine männlichen Blüten ausbilden und deren Früchte dann auch nicht befruchtet werden können (es gibt ja keine Männchen) und entsprechend haben die Früchte auch keine störenden Kerne. Als Gärtner bricht man alle Seitentriebe raus, lässt die Früchte stehen und wickelt die Pflanze hoch. Das ist leicht zu erklären und kann von jeder Aushilfe nach einem Tag Einarbeitung durchgeführt werden. Und vor allem geht es schnell. Wenn nun eine gemeine Wiesenwanze daherkommt und den Haupttrieb killt, ist die Routine durchbrochen.

Aus einer Blattachse kommen mehrere männliche Blüten und auch zwei Gürkchen mit noch geschlossenen weiblichen Blüten.

Wir pflanzen die samenfeste Gurkensorte „Arola“. Dieses Jahr ausschließlich diese Sorte, damit wir selbst Samen gewinnen können, um uns für die nächsten fünf Jahre einzudecken. Eine Gurke macht schon mehrere Hundert Samen. Bei samenfesten Gurken ist die „Erziehung“ anders. Die meisten Früchte wachsen nicht in der Blattachse des Haupttriebs, sondern in der ersten Blattachse des Seitentriebs. Der Seitentrieb wird also stehen gelassen und nach der ersten Frucht eingekürzt, sodass die Pflanze nicht in zu viele Richtungen wächst. Auch würdne zu viele Früchte, die sie gleichzeitig ausbilden muss, die Pflanze überfordern und sie würde Früchte abstoßen. Bei der Erziehung von samenfesten Gurken kommt es also darauf an, einige Seitentriebe stehen zu lassen, aber nicht zu viele, damit die Pflanze nicht zu viele Früchte macht. Der Vorteil von dieser Herangehensweise ist, dass man immer schon einen recht großen Seitentrieb parat hat, wenn der Haupttrieb von der Wiesenwanze getötet wird. Dieser Seitentrieb wird dann als neuer Haupttrieb an der Schnur festgeclipst.

Eine etwa 25cm lange Gurke, die bereits befruchtet ist. Man erkennt auch gut den Hauptstamm mit der weißen Schnur und die Blattachsen mit den Blüten und Früchten.

Damit ihr trotz samenfester Gurke nicht so viele Kern habt, ernten wir die Gurken immer möglichst zu dem Zeitpunkt, wenn die Samen noch nicht ausgebildet sind. Ähnlich wie bei Zucchini und Aubergine. Wir essen also eigentlich immer unreife Früchte. Eine samenreife Gurke ist 50cm lang und hat einen Durchmesser von etwa 8cm und ist gelb. 10 Früchte lassen wir dieses Jahr samenreif werden.

Im Blühstreifen neben den Gurken wimmelt es von Insekten. So haben wir schon mal kein Läuseproblem und auch die Wiesenwanzen werden von Spinnen, Schlupfwespen, Florfliegenlarven, Marienkäfern, Raubwanzen, Sichelwanzen in Schach gehalten. So kommen sie zwar vor, werden aber keine Plage.